Karte 98 · Die ersten Christen: Petrus und Paulus · Neues Testament
Paulus und Silas singen um Mitternacht
Apostelgeschichte 16,22–34 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Gott ist da, auch wenn man ihn nicht sieht
Geschichte
In der Stadt Philippi hatten Paulus und sein Freund Silas von Jesus erzählt. Aber manche Leute wollten das nicht hören. Sie wurden wütend und schleppten die beiden vor die Richter. Paulus und Silas wurden ungerecht behandelt, geschlagen und ins Gefängnis gesperrt.
Nicht in irgendeine Zelle. In die hinterste. Die tiefste. Ganz unten, wo kein Fenster war und kein Licht. Die Wände waren feucht, und es tropfte von der Decke. Es roch nach Moder und nach altem Stroh.
Und der Gefängniswärter legte ihre Füße in einen schweren Holzblock. So dass sie sich nicht bewegen konnten. Dann schloss er die Tür ab. Klack. Und noch ein Schloss. Klack.
Paulus und Silas saßen im Dunkeln. Ihr Rücken tat weh von den Schlägen. Ihre Füße waren eingeklemmt. Sie konnten nicht aufstehen, nicht herumlaufen, nicht einmal richtig liegen.
Es wurde Abend. Es wurde Nacht. Um sie herum hörten sie die anderen Gefangenen seufzen und stöhnen. Irgendwo klirrten Ketten.
Und dann, um Mitternacht, fing Paulus an zu singen.
Erst ganz leise. Dann ein bisschen lauter. Und Silas sang mit. Sie sangen Lieder für Gott. Danke-Lieder. Lob-Lieder. Mitten im Dunkeln. Mitten im Gefängnis. Mit eingeklemmten Füßen.
Die anderen Gefangenen hörten auf zu seufzen. Sie lauschten. So etwas hatten sie noch nie gehört. Zwei Männer, die im dunkelsten Loch saßen und sangen, als wären sie auf einem Fest.
„Wie können die singen?“, flüsterte einer.
„Sie sagen, ihr Gott ist bei ihnen“, flüsterte ein anderer zurück. „Auch hier.“
Paulus und Silas konnten Gott nicht sehen. Es war ja stockdunkel. Aber sie wussten: Er ist da.
Und dann bebte die Erde.
Erst ein Grollen, tief unten. Dann ein Rumpeln. Dann wackelten die Wände. Staub rieselte von der Decke. Und dann – krach! – sprangen alle Türen auf. Alle auf einmal. Und von allen Gefangenen fielen die Ketten ab. Klirr, klirr, klirr. Und der Holzblock an den Füßen von Paulus und Silas sprang auseinander.
Der Gefängniswärter wachte auf. Er stürzte herbei, mit einer Fackel in der Hand. Und als er die offenen Türen sah, wurde er kreidebleich. Alle weg!, dachte er. Alle Gefangenen sind weg! Jetzt bekomme ich schrecklichen Ärger!
Aber da rief Paulus aus der Dunkelheit: „Hab keine Angst! Wir sind alle noch da!“
Der Wärter hielt die Fackel hoch. Und tatsächlich: Da saßen sie alle. Keiner war weggelaufen.
Der Wärter fing an zu zittern. Er fiel vor Paulus und Silas auf die Knie. „Was muss ich tun“, fragte er, „damit ich auch zu eurem Gott gehören kann?“
„Vertrau auf Jesus“, sagte Paulus. „Dann gehörst du dazu. Du und deine ganze Familie.“
Da führte der Wärter die beiden hinaus. Er holte Wasser und wusch ihnen ganz vorsichtig die Wunden auf dem Rücken. Dann weckte er seine Frau und seine Kinder. Und alle hörten zu, wie Paulus von Jesus erzählte.
Noch in derselben Nacht ließen sich alle taufen. Und dann deckte der Wärter den Tisch, mitten in der Nacht, und sie aßen zusammen. Und alle waren froh.
Paulus und Silas hatten Gott nicht gesehen, im dunklen Gefängnis. Aber sie haben für ihn gesungen. Weil sie wussten: Er ist da. Gott ist da, auch wenn man ihn nicht sieht.
Bibelvers
„Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und sangen Loblieder für Gott.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Warum haben Paulus und Silas im dunklen Gefängnis gesungen?
- Frage 2: Warum ist keiner der Gefangenen weggelaufen, als die Türen aufgingen?
- Frage 3: Welches Lied würdest du singen, wenn es dunkel ist und du Angst hast?
Gebet
Lieber Gott,
Paulus und Silas haben im Dunkeln für dich gesungen.
Auch wenn ich dich nicht sehe, bist du da.
Darum kann ich singen, auch wenn es dunkel ist.
Amen.
Ausmalbild
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