Karte 18 · Jakob · Altes Testament
Jakob und Esau umarmen sich
1. Mose 32,4–22; 33,1–11 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Vergeben ist besser als zurückschlagen
Geschichte
Viele, viele Jahre waren vergangen. Jakob war nicht mehr der junge Mann, der von zu Hause weggelaufen war. Er hatte jetzt eine große Familie mit vielen Kindern, er hatte Herden mit Schafen und Ziegen und Kamelen und Eseln.
Und eines Tages sagte Gott zu ihm: „Jakob, geh nach Hause. Zurück in das Land deines Vaters.“
Jakob freute sich. Aber dann fiel ihm etwas ein. Zu Hause, da war ja Esau. Sein Bruder, den er damals so schlimm beschummelt hatte.
„Was, wenn Esau immer noch wütend ist?“, dachte Jakob. „Was, wenn er sich rächen will?“
Er schickte ein paar Boten voraus. „Sagt meinem Bruder Esau, dass ich komme“, sagte er. „Und sagt ihm, dass ich Frieden will.“
Die Boten kamen zurück. Sie waren ganz blass.
„Esau kommt dir entgegen“, sagten sie. „Mit vierhundert Männern.“
Vierhundert! Jakob wurde ganz schlecht vor Angst. Vierhundert Männer, das klang nicht nach Umarmen. Das klang nach Zurückschlagen.
Jakob überlegte fieberhaft. Dann suchte er die schönsten Tiere aus seinen Herden aus. Zweihundert Ziegen. Zweihundert Schafe. Dreißig Kamele mit ihren Jungen. Vierzig Kühe. Zwanzig Esel.
„Bringt das alles meinem Bruder“, sagte er zu seinen Knechten, den Männern, die bei ihm arbeiteten. „Als Geschenk. Vielleicht ist er dann nicht mehr so böse.“
In der Nacht konnte Jakob nicht schlafen. Er lag wach und betete: „Gott, bitte hilf mir. Ich habe solche Angst vor meinem Bruder.“
Am nächsten Morgen sah Jakob ihn kommen. Ganz hinten am Horizont war eine große Staubwolke. Und in der Staubwolke waren Männer. Viele Männer. Und vorneweg einer mit roten Haaren.
Esau.
Jakob stellte sich vor seine Familie. Seine Knie zitterten. Dann ging er Esau entgegen und verbeugte sich. Ganz tief, bis auf den Boden. Er stand auf und verbeugte sich wieder. Und noch mal. Sieben Mal.
Und dann hörte er Schritte. Schnelle Schritte. Esau kam auf ihn zu. Er rannte!
Jakob kniff die Augen zu.
Aber Esau schlug ihn nicht. Esau breitete die Arme aus, fiel Jakob um den Hals und drückte ihn ganz fest. Und dann weinten beide. Die zwei großen, erwachsenen Männer standen da, mitten im Staub, und hielten sich fest und weinten.
„Jakob“, sagte Esau schließlich und wischte sich die Nase am Ärmel ab. „Was sollen eigentlich die ganzen Ziegen und Schafe, die mir entgegengelaufen sind?“
„Die sind für dich“, sagte Jakob. „Damit du mir nicht mehr böse bist.“
Esau lachte. „Ich hab genug, Bruder. Behalt sie.“
Aber Jakob bestand darauf. „Bitte nimm sie. Als ich dein Gesicht gesehen habe, war es, als würde ich Gottes Gesicht sehen. So freundlich warst du.“
Da nahm Esau das Geschenk an.
Esau hätte zurückschlagen können. Er hatte vierhundert Männer dabei, und Jakob hatte ihn damals so gemein behandelt. Aber Esau hat vergeben. Und aus zwei Brüdern, die sich jahrelang nicht angeschaut hatten, wurden wieder Brüder.
Vergeben ist besser als zurückschlagen.
Bibelvers
„Esau lief ihm entgegen, umarmte ihn und küsste ihn. Und sie weinten.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Warum hat Esau seinem Bruder vergeben?
- Frage 2: Wie fühlt es sich an, wenn nach einem Streit wieder alles gut ist?
- Frage 3: Mit wem hast du dich schon mal gestritten und wieder vertragen?
Gebet
Lieber Gott,
Esau hat seinem Bruder vergeben.
Wenn mir jemand wehgetan hat,
hilf mir, zu vergeben, statt zurückzuhauen.
Amen.
Ausmalbild
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