Karte 19 · Josef · Altes Testament
Josefs bunter Mantel
1. Mose 37,1–11 ca. 3 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Neid und Streit machen kaputt, was wertvoll ist
Geschichte
Jakob hatte zwölf Söhne. Zwölf! Stell dir vor, wie laut es bei denen zu Hause war. Da wurde gerannt und gerauft und gelacht, und abends saßen alle ums Feuer und aßen Brot mit Linsen.
Einer von den zwölf hieß Josef. Er war der zweitjüngste, und Papa Jakob hatte ihn besonders lieb.
Eines Tages bekam Josef ein Geschenk. Einen Mantel. Aber nicht irgendeinen Mantel. Er war lang, bis zu den Knöcheln, und er hatte Ärmel, die bis zu den Händen reichten. Und er war bunt. Rot und blau und gelb und grün, in Streifen, die leuchteten wie ein Regenbogen.
Josef zog ihn an und drehte sich. Der Mantel flog um ihn herum. „Schaut mal!“, rief er. „Schaut, was ich von Papa bekommen habe!“
Seine Brüder schauten. Ruben und Simeon und Levi und Juda und die anderen. Sie hatten ganz normale, braune Kittel an, mit Flicken an den Ellbogen.
Keiner sagte etwas.
Aber in ihren Bäuchen fing etwas an zu brodeln. Ein hässliches, grünes Gefühl. Das Gefühl hieß Neid.
„Warum kriegt er so was?“, zischte Simeon, als Josef weg war. „Und wir nicht?“
„Papa hat ihn eben lieber“, knurrte Levi.
Von diesem Tag an sprachen die Brüder nicht mehr freundlich mit Josef. Wenn er kam, drehten sie sich weg. Wenn er etwas fragte, antworteten sie nicht.
Und dann hatte Josef einen Traum.
„Hört mal“, sagte er beim Frühstück. „Ich hab geträumt, wir waren alle auf dem Feld und haben Getreide gebunden. Und mein Bündel stand auf, ganz gerade. Und eure Bündel stellten sich im Kreis drumherum und verbeugten sich vor meinem.“
Die Brüder legten ihr Brot hin. „Du willst also, dass wir uns vor dir verbeugen?“, fragte Juda mit einer Stimme, die ganz kalt war. „Du willst wohl unser König sein?“
Und dann hatte Josef noch einen Traum. Diesmal verbeugten sich sogar die Sonne, der Mond und elf Sterne vor ihm.
Da war es ganz vorbei. Die Brüder konnten Josef nicht mehr ausstehen. Nicht mal Papa Jakob fand den Traum gut. „Was soll das, Josef?“, sagte er. „Sollen wir uns etwa alle vor dir verbeugen?“
Josef schwieg. Er hatte den Traum doch nur erzählt. Er hatte nicht gewusst, dass es so wehtun würde.
Abends, am Feuer, war es jetzt still. Niemand lachte mehr. Niemand raufte mehr. Die Brüder saßen auf der einen Seite und Josef allein auf der anderen, in seinem bunten Mantel, der auf einmal gar nicht mehr so schön aussah.
Jakob schaute über das Feuer auf seine zwölf Söhne und seufzte.
„Früher“, sagte er leise, „habt ihr zusammen gelacht.“
Das hatten sie. Aber jetzt war der Neid da. Und der Neid hatte kaputtgemacht, was so wertvoll war: dass sie Brüder waren und sich gern hatten.
Bibelvers
„Seine Brüder sahen, dass der Vater ihn lieber hatte. Da konnten sie kein freundliches Wort mehr mit ihm reden.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Wie hat sich Josef gefühlt, als keiner mehr mit ihm geredet hat? Und wie seine Brüder?
- Frage 2: Was glaubst du: Wie fühlt sich Neid im Bauch an?
- Frage 3: Was könnte man tun, damit am Feuer wieder alle zusammen lachen?
Gebet
Lieber Gott,
manchmal bin ich neidisch, wenn andere etwas haben, was ich nicht habe.
Hilf mir, dass der Neid nicht kaputt macht,
was wir miteinander haben.
Amen.
Ausmalbild
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