Karte 14 · Abraham und Sara · Altes Testament
Hagar und Ismael: Gott hört das Weinen
1. Mose 21,8–21 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Gott tröstet, wenn man traurig ist
Geschichte
Hagar wohnte bei Abraham und Sara, zusammen mit ihrem Sohn Ismael. Ismael war ein Junge mit wilden Locken und aufgeschürften Knien, der am liebsten den ganzen Tag draußen herumtobte.
Aber im Haus gab es Streit. Großen Streit. Und eines Morgens mussten Hagar und Ismael fortgehen.
Abraham gab ihnen einen Beutel mit Brot und einen großen Wasserschlauch aus Ziegenleder. Dann gingen Hagar und Ismael hinaus in die Wüste.
Die Wüste war riesig. Sand und Steine, so weit man sehen konnte. Die Sonne brannte vom Himmel, und der heiße Wind blies ihnen Staub ins Gesicht. Ismael hielt sich an der Hand seiner Mutter fest. Er hüpfte nicht mehr.
Sie gingen einen Tag. Sie gingen einen zweiten Tag. Das Brot wurde weniger. Und der Wasserschlauch wurde leichter und leichter.
Und dann, am dritten Tag, hob Hagar den Schlauch hoch und drückte ihn zusammen. Kein Tropfen kam mehr heraus.
„Mama“, sagte Ismael mit ganz trockenem Mund, „ich hab Durst.“
Hagar schaute sich um. Kein Brunnen. Kein Bach. Nichts. Nur ein kleiner, struppiger Busch, der ein bisschen Schatten machte.
Sie setzte Ismael in den Schatten unter den Busch. Dann ging sie ein Stück weg, ungefähr so weit, wie man einen Stein werfen kann, und setzte sich in den Sand. Sie war so traurig und so müde, dass sie nicht mehr wusste, was sie tun sollte. Und sie fing an zu weinen.
Unter dem Busch weinte Ismael auch. Ganz leise erst. Dann lauter.
Und Gott hörte es.
Gott hörte das Weinen des Jungen unter dem Busch mitten in der großen, leeren Wüste. Und Gott schickte einen Engel.
„Hagar!“, rief der Engel. „Was hast du? Hab keine Angst. Gott hat das Weinen deines Jungen gehört. Da, wo er liegt. Steh auf. Nimm ihn an der Hand. Gott hat noch Großes mit ihm vor.“
Hagar hob den Kopf. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen.
Und da sah sie es.
Nur ein paar Schritte entfernt, zwischen zwei großen Steinen, war ein Brunnen. Ein richtiger Brunnen mit einer kleinen Mauer drumherum und einer Öffnung, aus der es kühl heraufwehte. Hatte der die ganze Zeit dagestanden? Hagar hatte ihn vor lauter Tränen nicht gesehen.
Sie sprang auf. Sie rannte zum Brunnen, ließ den Schlauch hinunter und zog ihn wieder hoch. Er war voll! Voll mit kaltem, klarem Wasser!
Dann lief sie zu Ismael und hielt ihm den Schlauch an den Mund. Und Ismael trank. Und trank. Und trank. Das Wasser lief ihm übers Kinn und auf sein Hemd, und er lachte dabei.
Hagar nahm ihn in den Arm und hielt ihn ganz fest.
Weißt du, was der Name Ismael bedeutet? Er bedeutet: „Gott hört.“
Und das stimmte. Gott hatte Ismael gehört, mitten in der Wüste, als er geweint hat. Und Gott hat die beiden getröstet.
Ismael wuchs in der Wüste auf. Er wurde groß und stark, und er lernte, mit Pfeil und Bogen umzugehen. Und Gott war bei ihm.
Bibelvers
„Gott hörte die Stimme des Jungen.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Warum hat Hagar den Brunnen erst nicht gesehen?
- Frage 2: Wer tröstet dich, wenn du weinst? Wie macht er oder sie das?
- Frage 3: Was meinst du: Hört Gott auch, wenn ein Kind ganz leise weint?
Gebet
Lieber Gott,
du hast Ismael gehört, als er geweint hat.
Wenn ich traurig bin, hörst du mich auch.
Danke, dass du mich tröstest.
Amen.
Ausmalbild
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