Karte 63 · Vor der Geburt · Neues Testament
Josef träumt und bleibt
Matthäus 1,18–25 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Mut lohnt sich, auch wenn man Angst hat
Geschichte
Josef war Zimmermann. In seiner Werkstatt in Nazaret roch es nach frischem Holz und nach Leim. An den Wänden hingen Sägen und Hobel und Hämmer, und auf dem Boden lagen Späne, die sich kringelten wie kleine Locken.
Josef war ein ruhiger Mann. Er redete nicht viel. Aber er arbeitete sorgfältig, und alle im Dorf mochten ihn.
Und er hatte Maria lieb. Bald wollten sie heiraten. Josef baute gerade einen Tisch für ihr neues Zuhause.
Aber dann erfuhr Josef etwas, das ihm den Boden unter den Füßen wegzog.
Maria bekam ein Baby. Und es war nicht sein Baby.
Josef setzte sich auf seine Werkbank. Er starrte auf den halbfertigen Tisch. Er verstand gar nichts mehr. Er war traurig. Und er hatte Angst. Was würden die Leute im Dorf sagen? Sie würden tuscheln. Sie würden mit dem Finger auf Maria zeigen. Und auf ihn.
Josef überlegte lange. Dann dachte er: Ich will Maria nicht wehtun. Ich will nicht, dass alle über sie reden. Ich gehe einfach ganz leise weg. Dann ist es vorbei.
Mit diesem Gedanken legte er sich schlafen. Aber er war sehr unruhig und drehte sich hin und her.
Und dann hatte er einen Traum.
Ein Engel stand in seinem Traum. Er leuchtete so hell wie die Sonne am Mittag.
„Josef“, sagte der Engel, „hab keine Angst. Nimm Maria zu dir als deine Frau. Das Kind in ihrem Bauch ist von Gott. Sie wird einen Sohn bekommen, und du sollst ihn Jesus nennen. Denn er wird die Menschen retten.“
Josef wachte auf. Draußen dämmerte es. Ein Hahn krähte. Josef lag ganz still und dachte über den Traum nach.
Das Kind war von Gott.
Es wäre einfacher gewesen, wegzugehen. Viel einfacher. Dann hätte niemand über ihn getuschelt. Dann hätte er seine Ruhe gehabt.
Aber Josef stand auf. Er wusch sich das Gesicht mit kaltem Wasser. Dann zog er seinen Mantel an und ging los. Quer durchs Dorf. Zu Marias Haus.
Die Nachbarn schauten ihm nach. Eine Frau am Brunnen flüsterte der anderen etwas zu. Josef hörte es. Aber er ging weiter.
Er klopfte an Marias Tür.
Maria machte auf. Sie hatte verweinte Augen. Sie hatte gedacht, Josef würde sie verlassen.
Aber Josef lächelte. „Maria“, sagte er, „ich habe geträumt. Von einem Engel. Ich weiß jetzt alles. Und ich bleibe bei dir. Komm, wir gehen nach Hause.“
Maria fing an zu weinen, aber diesmal vor Glück.
Und Josef nahm Maria mit zu sich. Er heiratete sie. Er war für sie da. Und in seiner Werkstatt baute er etwas Neues: eine kleine Wiege aus Olivenholz, ganz glatt geschliffen, damit sich das Baby nicht wehtat.
Josef hatte Angst gehabt vor dem, was die Leute sagen würden. Aber er hatte trotzdem getan, was Gott wollte. Und so bekam das Jesuskind einen Papa, der es beschützte.
Mut lohnt sich. Auch wenn man Angst hat.
Bibelvers
„Josef, hab keine Angst, Maria zu dir zu nehmen.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Warum wäre Josef erst am liebsten einfach weggegangen?
- Frage 2: Wie hat sich Maria gefühlt, als Josef an ihre Tür geklopft hat?
- Frage 3: Wann hast du schon mal etwas Richtiges getan, obwohl andere komisch geguckt haben?
Gebet
Lieber Gott,
Josef hatte Angst und ist trotzdem geblieben.
Schenk mir Mut, das Richtige zu tun,
auch wenn es schwer ist.
Amen.
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