Karte 62 · Vor der Geburt · Neues Testament
Maria besucht Elisabet
Lukas 1,39–56 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Teilen macht reicher
Geschichte
Maria hatte ein Geheimnis. Ein so großes, wunderbares Geheimnis, dass es fast aus ihr herausplatzte. Sie würde ein Baby bekommen. Gottes Sohn.
Aber wem sollte sie das erzählen? Wer würde ihr das glauben?
Da fiel ihr ein, was der Engel gesagt hatte: Deine Verwandte Elisabet bekommt auch ein Baby.
Maria packte sofort ein paar Sachen zusammen. Ein Brot, einen kleinen Käse, ein warmes Tuch für die Nacht. Und dann machte sie sich auf den Weg.
Es war ein weiter Weg. Er ging hinauf in die Berge, über steinige Pfade, vorbei an Weinbergen und an Schafherden, die mit ihren Glöckchen bimmelten. Maria lief und lief. Sie war so voller Freude, dass sie gar nicht merkte, wie müde ihre Füße wurden.
Nach vielen Tagen kam sie an ein Haus mit einem Feigenbaum im Hof. Hier wohnten Elisabet und ihr Mann Zacharias.
Die Tür stand offen. Es roch nach frisch gebackenem Brot.
„Elisabet?“, rief Maria. „Ich bin es, Maria!“
Drinnen saß Elisabet auf einem Hocker. Sie war schon alt, mit grauen Haaren und vielen Lachfältchen um die Augen. Und sie hatte einen dicken, runden Bauch.
Und in dem Moment, als Elisabet Marias Stimme hörte, passierte etwas.
Das Baby in ihrem Bauch hüpfte. Es machte einen richtigen Satz, einen Purzelbaum vor Freude, so dass Elisabet sich den Bauch hielt und „Oh!“ rief.
Und dann wusste Elisabet alles. Ohne dass Maria ein Wort gesagt hatte.
Sie stand auf, so schnell sie mit ihrem dicken Bauch konnte, und breitete die Arme aus.
„Maria!“, rief sie. „Du bist gesegnet! Und das Kind in deinem Bauch ist gesegnet! Als ich deine Stimme gehört habe, hat mein Baby vor Freude gehüpft! Wie schön, dass du da bist!“
Da lief Maria zu ihr. Und die beiden Frauen umarmten sich. Die junge und die alte. Und sie lachten und weinten gleichzeitig.
Endlich konnte Maria ihr Geheimnis teilen! Mit jemandem, der sie verstand!
Und als sie es geteilt hatte, wurde die Freude nicht kleiner. Sie wurde größer. Doppelt so groß. Maria war so glücklich, dass sie anfing zu singen. Mitten in der Küche.
„Mein Herz springt vor Freude über Gott!“, sang sie. „Er hat an mich gedacht, obwohl ich so klein bin. Er macht die Kleinen groß. Und die Hungrigen macht er satt. Gott ist so gut!“
Elisabet klatschte in die Hände. Und Zacharias, der gerade nicht reden konnte, klopfte mit dem Stock den Takt auf den Boden.
Drei Monate lang blieb Maria bei Elisabet. Sie backten zusammen Brot. Sie holten zusammen Wasser. Sie saßen abends unter dem Feigenbaum und legten ihre Hände auf ihre Bäuche und erzählten sich, wie ihre Babys wohl sein würden. Und immer, wenn eine traurig oder ängstlich war, war die andere da.
Allein wäre Marias Geheimnis schwer gewesen. Zusammen mit Elisabet wurde es ganz leicht.
Freude, die man teilt, wird doppelt so groß. Teilen macht reicher.
Bibelvers
„Als Elisabet Marias Gruß hörte, hüpfte das Kind in ihrem Bauch vor Freude.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Warum hat das Baby in Elisabets Bauch gehüpft?
- Frage 2: Wem erzählst du als Erstes, wenn du dich über etwas ganz doll freust?
- Frage 3: Warum wird Freude größer, wenn man sie teilt?
Gebet
Lieber Gott,
Maria und Elisabet haben ihre Freude geteilt.
Danke für die Menschen, mit denen ich mich freuen kann.
Mein Herz springt vor Freude über dich!
Amen.
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