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Kinderbibelprojekt

Karte 37 · Rut · Altes Testament

Rut sammelt Ähren bei Boas

Rut 2 ca. 4 Min. Vorlesezeit

Darum geht’s: Jeder gehört dazu, keiner wird ausgeschlossen

Geschichte

In Betlehem war Erntezeit. Die Gerstenfelder rund um die Stadt leuchteten golden in der Morgensonne, und die Ähren waren so schwer, dass sie sich tief nach unten neigten. Die Schnitter gingen in einer Reihe übers Feld, ritsch, ratsch, mit ihren Sicheln. Schnitter, das sind die Männer, die das Korn abschneiden. Und die Frauen hinter ihnen banden die Halme zu dicken Bündeln, die man Garben nennt.

Und ganz hinten, am Rand des Feldes, ging Rut.

Rut war arm. Sie und Noomi hatten kein eigenes Feld und kein Geld. Aber es gab eine gute Regel in Israel: Die Armen durften hinter den Schnittern hergehen und die Ähren aufheben, die auf den Boden gefallen waren. So hatten auch sie etwas zu essen.

Also bückte Rut sich. Hob eine Ähre auf. Bückte sich wieder. Hob noch eine auf. Stunde um Stunde. Ihr Rücken tat weh, und die Sonne brannte ihr in den Nacken.

Die anderen Frauen tuschelten. „Wer ist denn die?“, flüsterte eine. „Das ist doch die Fremde aus Moab. Die gehört nicht hierher.“

Rut hörte es. Sie tat so, als hätte sie nichts gehört. Aber ihre Wangen wurden heiß.

Dann kam der Besitzer des Feldes. Er hieß Boas. Er war ein großer Mann mit einem freundlichen Gesicht und einem grauen Bart.

„Gott sei mit euch!“, rief er den Schnittern zu.

„Gott segne dich!“, riefen die Schnitter zurück.

Dann sah Boas die junge Frau am Rand des Feldes. „Wer ist das?“, fragte er seinen Vorarbeiter.

„Das ist die Fremde aus Moab“, sagte der Vorarbeiter. „Die mit Noomi gekommen ist. Sie arbeitet seit heute früh und hat sich kaum hingesetzt.“

Da ging Boas zu Rut hinüber.

Rut erschrak. Jetzt schickt er mich weg, dachte sie.

Aber Boas sagte: „Hör mir zu, meine Tochter. Geh auf kein anderes Feld. Bleib hier bei meinen Mägden. Und wenn du Durst hast, trink aus unseren Krügen. Ich habe meinen Knechten gesagt, dass dich keiner ärgern darf.“

Rut fiel auf die Knie. „Warum bist du so freundlich zu mir? Ich bin doch eine Fremde.“

„Ich habe gehört, was du für Noomi getan hast“, sagte Boas. „Wie du deine Heimat verlassen hast, um bei ihr zu sein. Gott soll dich dafür belohnen. Unter seinen Flügeln hast du Schutz gesucht.“

Mittags, als alle im Schatten saßen, rief Boas: „Rut, komm her! Iss mit uns!“

Und Rut setzte sich zu den anderen. Mitten in den Kreis. Boas gab ihr Brot, das sie in eine säuerliche Soße tunken durfte, und geröstete Körner, die knusprig waren und nach Nuss schmeckten. So viel, dass sie satt wurde und sogar noch etwas übrig hatte.

Die Frauen, die vorher getuschelt hatten, rückten ein Stück zur Seite, damit sie Platz hatte.

Und am Nachmittag sagte Boas leise zu seinen Knechten, den Männern, die bei ihm arbeiteten: „Lasst ab und zu ein paar Ähren extra fallen. Einfach so. Für sie.“

Am Abend kam Rut nach Hause. Sie trug einen ganzen Sack voll Gerste auf dem Rücken und in ihrer Schürze die Reste vom Mittagessen.

Noomi machte große Augen. „Wo warst du denn heute? Wer war so gut zu dir?“

„Ein Mann namens Boas“, sagte Rut.

Da fing Noomi an zu lachen. Zum ersten Mal seit langer Zeit.

Rut war eine Fremde gewesen. Aber Boas hat sie an seinen Tisch geholt. Bei Gott gehört jeder dazu. Keiner wird ausgeschlossen.

Bibelvers

„Warum bist du so freundlich zu mir, obwohl ich eine Fremde bin?“

nach Rut 2,10

Zum Weiterreden

Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.

  1. Frage 1: Wie hat sich Rut gefühlt, als die Frauen über sie getuschelt haben?
  2. Frage 2: Was glaubst du: Warum hat Boas extra Ähren fallen lassen?
  3. Frage 3: Kennst du jemanden, der neu ist und noch niemanden kennt?

Gebet

Lieber Gott,
Boas hat Rut an seinen Tisch geholt.
Bei dir gehört jeder dazu.
Hilf mir, Platz zu machen für die, die neu sind.
Amen.

Ausmalbild

Ausmalbild zu „Rut sammelt Ähren bei Boas“ (Vorschau)

Zum Ausdrucken auf A4 (hochkant) – und dann ran an die Stifte!

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