Karte 23 · Josef · Altes Testament
Josef weint und vergibt
1. Mose 42–45 (in Auswahl) ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Vergeben ist besser als zurückschlagen
Geschichte
Überall im Land war Hunger. Auch dort, wo Josefs Familie wohnte. Die Felder waren braun und trocken, die Kornkrüge leer. Papa Jakob war sehr alt geworden, und seine Söhne machten sich Sorgen.
„In Ägypten gibt es Korn“, sagte Jakob. „Geht hin und kauft welches.“
Da machten sich die Brüder auf den Weg. Ruben und Simeon und Levi und Juda und die anderen. Genau die Brüder, die Josef damals in den Brunnen geworfen hatten.
In Ägypten wurden sie zu dem Mann gebracht, der das Korn verteilte. Er saß auf einem hohen Stuhl, trug feine Kleider und eine goldene Kette. Die Brüder verbeugten sich tief vor ihm, bis auf den Boden.
Sie wussten nicht, wer das war.
Aber der Mann wusste, wer sie waren. Sein Herz klopfte wie verrückt. Das waren seine Brüder! Und sie verbeugten sich vor ihm. Genau wie in seinem Traum damals.
Es war Josef.
Josef hätte sich jetzt rächen können. Er war mächtig. Er hätte sie ins Gefängnis werfen können. Er hätte ihnen sagen können: Ihr habt mich in den Brunnen geworfen, jetzt kriegt ihr kein Korn!
Aber Josef wollte erst wissen: Sind meine Brüder noch so wie damals?
Er stellte sie auf die Probe. Und er merkte: Die Brüder hatten sich verändert. Als der jüngste Bruder Benjamin in Schwierigkeiten kam, sagte Juda: „Nimm mich an seiner Stelle. Ich kann meinem Vater nicht noch einmal einen Sohn wegnehmen. Das würde ihm das Herz brechen.“
Da konnte Josef nicht mehr.
„Alle raus!“, rief er zu seinen Dienern. „Alle raus, sofort!“
Die Diener liefen hinaus. Und dann fing Josef an zu weinen. So laut, dass man es draußen auf der Straße hörte.
Die Brüder standen da und wussten nicht, was los war.
„Ich bin Josef“, sagte Josef mit tränennassem Gesicht. „Ich bin euer Bruder Josef. Lebt unser Vater noch?“
Die Brüder wurden kreidebleich. Sie brachten kein Wort heraus. Josef! Der Bruder, den sie verkauft hatten! Und jetzt war er der zweitmächtigste Mann in ganz Ägypten! Sie hatten schreckliche Angst. Jetzt, dachten sie, jetzt rächt er sich.
Aber Josef sagte: „Kommt her zu mir. Kommt ganz nah.“
Zögernd traten sie heran.
„Habt keine Angst“, sagte Josef. „Und ärgert euch nicht über euch selbst. Ihr habt damals etwas Böses getan. Aber Gott hat etwas Gutes daraus gemacht. Gott hat mich hierhergeschickt, damit ich euch jetzt helfen kann. Damit keiner von uns verhungert.“
Dann fiel er Benjamin um den Hals und weinte. Und Benjamin weinte auch. Und dann umarmte Josef jeden seiner Brüder, einen nach dem anderen, und küsste sie.
Und endlich, nach so vielen Jahren, redeten die Brüder wieder miteinander. Richtig. Freundlich. Wie Brüder.
„Holt Papa“, sagte Josef. „Holt alle. Ihr sollt hier bei mir wohnen. Hier gibt es genug für alle.“
Josef hätte zurückschlagen können. Er hatte die Macht dazu. Aber er hat vergeben. Und dadurch wurde aus einer kaputten Familie wieder eine ganze.
Vergeben ist besser als zurückschlagen.
Bibelvers
„Ihr hattet Böses vor. Aber Gott hat Gutes daraus gemacht.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Warum musste Josef so doll weinen?
- Frage 2: Wie haben sich die Brüder gefühlt, als Josef sie umarmt hat?
- Frage 3: Was ist schwerer: zurückhauen oder vergeben? Warum?
Gebet
Lieber Gott,
Josef hat seinen Brüdern vergeben,
obwohl sie ihm so wehgetan haben.
Mach mein Herz auch so groß.
Amen.
Ausmalbild
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