Karte 12 · Abraham und Sara · Altes Testament
Abraham zählt die Sterne
1. Mose 15,1–6 ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Gott hält seine Versprechen
Geschichte
Es war eine warme Nacht. Die Grillen zirpten im Gras, die Schafe schliefen in ihrem Pferch, dem eingezäunten Platz, wo nachts kein Wolf hinkommt, und irgendwo schnaubte ein Kamel im Traum.
Nur Abraham schlief nicht.
Er saß vor seinem Zelt auf einem flachen Stein und hatte die Arme um die Knie gelegt. Er war alt geworden. Seine Haare waren weiß, sein Bart war weiß, und seine Hände hatten tiefe Falten. Und Sara, seine Frau, war auch alt geworden.
Aber sie hatten kein Kind.
Gott hatte es ihm versprochen, damals, als sie losgezogen waren. „Du wirst eine große Familie haben“, hatte Gott gesagt. Aber das war lange her. Sehr lange. Und im Zelt war es immer noch still. Kein Kinderlachen, kein Babyweinen, keine kleinen Füße, die über den Teppich tapsten.
Abraham seufzte tief.
„Gott“, sagte er leise, „was soll mir all mein Reichtum? All die Schafe und Kamele? Wenn ich sterbe, bekommt alles mein Knecht Elieser, der Mann, der bei mir arbeitet. Du hast mir kein Kind geschenkt.“
Da hörte er Gottes Stimme. Ganz nah.
„Abraham“, sagte Gott, „hab keine Angst. Komm mal mit. Komm raus.“
Abraham stand auf. Seine Knie knackten. Er ging ein paar Schritte vom Zelt weg, weg vom Feuer, hinaus in die Dunkelheit, wo nichts mehr leuchtete außer dem Himmel.
„Schau nach oben“, sagte Gott.
Abraham legte den Kopf in den Nacken.
Und da waren sie. Die Sterne. Tausende und Abertausende. Kleine und große, helle und blasse, blaue und goldene. Sie funkelten so dicht, dass es aussah, als hätte jemand eine Handvoll Glitzer über ein schwarzes Tuch gestreut. Und quer über den Himmel zog sich ein milchiges Band, das aus noch viel mehr Sternen bestand.
„Zähl sie“, sagte Gott. „Wenn du kannst.“
Abraham fing an. Er zeigte mit dem Finger. „Eins. Zwei. Drei. Vier …“ Er kam bis zwölf, dann wusste er nicht mehr, welchen er schon gezählt hatte. Er fing noch mal an. „Eins, zwei, drei …“ Diesmal kam er bis dreiundzwanzig. Dann blinzelte er, und alles verschwamm.
„Ich kann es nicht“, sagte Abraham. „Es sind zu viele.“
„Genau“, sagte Gott. „So viele Kinder und Enkel und Urenkel wirst du haben. So viele, dass keiner sie zählen kann.“
Abraham stand ganz still da. Der Wind strich ihm durch den weißen Bart. Er wusste nicht, wie das gehen sollte. Er war so alt. Sara war so alt.
Aber Gott hatte es gesagt.
Und Abraham glaubte Gott. Er ging zurück zum Zelt, legte sich neben Sara, und zum ersten Mal seit langer Zeit schlief er ruhig ein. Mit einem Lächeln.
Und weißt du was? Gott hat sein Versprechen gehalten. Ein paar Jahre später bekamen Abraham und Sara einen Sohn. Und Abraham bekam Enkel und Urenkel und Ururenkel, so viele wie Sterne am Himmel.
Gott hält, was er verspricht. Auch wenn es lange dauert.
Bibelvers
„Schau zum Himmel und zähl die Sterne, wenn du kannst. So viele Nachkommen wirst du haben.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Wie hat sich Abraham gefühlt, als er da draußen unter den Sternen stand?
- Frage 2: Hast du schon mal versucht, Sterne zu zählen? Wie weit bist du gekommen?
- Frage 3: Worauf wartest du gerade ganz doll?
Gebet
Lieber Gott,
du hast Abraham so viele Kinder versprochen wie Sterne am Himmel,
und du hast es gehalten.
Danke, dass du immer hältst, was du sagst.
Amen.
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