Karte 31 · Mose und Mirjam · Altes Testament
Zehn gute Worte vom Berg
2. Mose 19–20 (in Auswahl) ca. 4 Min. Vorlesezeit
Darum geht’s: Gottes gute Worte beschützen uns
Geschichte
Naemi war fünf, und sie hatte einen großen Bruder namens Joschi. Joschi war acht und fand, dass er alles durfte.
Seit Wochen war das Volk Israel jetzt unterwegs durch die Wüste. Und jetzt hatten sie ihre Zelte am Fuß eines riesigen Berges aufgeschlagen. Er hieß Sinai. Er war grau und steil und so hoch, dass die Spitze in den Wolken verschwand.
„Morgen“, sagte Papa beim Abendessen, „will Gott zu uns sprechen. Von diesem Berg aus.“
Naemi schaute zum Berg hinauf und bekam eine Gänsehaut.
Am nächsten Morgen donnerte es. Blitze zuckten um den Gipfel. Dicker Rauch stieg auf, als würde der ganze Berg brennen, und der Boden zitterte unter Naemis Füßen. Dann ertönte ein Ton, laut und lang, wie von einer riesigen Posaune. Das ist so etwas wie eine sehr große Trompete.
Alle Menschen standen am Fuß des Berges und hielten sich an den Händen. Naemi klammerte sich an Papas Bein. Sogar Joschi war ganz still.
Mose stieg hinauf. Allein. Mitten in die Wolke hinein. Und dann war er weg.
Tagelang warteten sie. Und während sie warteten, passierte etwas mit Naemis Puppe.
Naemi hatte eine kleine Stoffpuppe. Mama hatte sie ihr aus Resten genäht, mit einem roten Kleid und Haaren aus Wolle. Naemi nahm sie überallhin mit.
Aber eines Morgens war die Puppe weg.
Naemi suchte im Zelt. Unter der Decke. Hinter den Krügen. Nichts. Sie weinte. Und dann sah sie Joschi, wie er grinsend etwas hinter seinem Rücken versteckte.
„Gib sie her!“, rief Naemi.
„Welche Puppe?“, sagte Joschi. „Ich hab keine Puppe.“ Und er rannte weg.
Da kam Mose vom Berg zurück. Er trug zwei flache Steine in den Armen. Und auf den Steinen standen Worte. Gottes Worte. Mose rief alle zusammen und las sie vor.
„Ich bin euer Gott. Ich habe euch aus Ägypten befreit“, las Mose. „Darum sollt ihr nur mir vertrauen, keinem anderen.“
Und dann las er weiter. Zehn Worte waren es. Zehn gute Worte. Naemi zählte an ihren Fingern mit.
Ehrt Gottes Namen. Ruht euch aus am siebten Tag. Habt Papa und Mama lieb und hört auf sie. Tut niemandem weh. Haltet zusammen, wenn ihr euch lieb habt. Nehmt nichts weg, was euch nicht gehört. Sagt die Wahrheit über andere. Und seid nicht neidisch auf das, was andere haben.
Als Mose bei „Nehmt nichts weg, was euch nicht gehört“ ankam, wurde Joschi rot. Ganz rot, bis zu den Ohren.
„Diese Worte“, sagte Mose, „sind keine Strafen. Sie sind wie der Zaun, den ein Hirte um seine Schafe baut. Der Zaun ist nicht da, um die Schafe zu ärgern. Er ist da, damit der Wolf nicht reinkommt. Damit die Schafe sicher sind. So sind Gottes Worte. Sie beschützen uns.“
Am Abend saß Naemi vor dem Zelt. Da kam Joschi. Er setzte sich neben sie und schaute auf seine Füße.
Dann holte er die Puppe hinter seinem Rücken hervor.
„Hier“, murmelte er. „Tut mir leid.“
Naemi nahm die Puppe und drückte sie ganz fest an sich. Dann lehnte sie sich an ihren großen Bruder. Und Joschi legte den Arm um sie.
Es fühlte sich gut an. Sicher. Wie ein Zaun um die Schafe.
Gottes gute Worte beschützen uns. Damit wir gut miteinander leben können.
Bibelvers
„Ich bin der Herr, dein Gott. Ich habe dich befreit.“
Zum Weiterreden
Für Eltern: Fragt nach und hört zu. Es gibt keine falschen Antworten.
- Frage 1: Was glaubst du: Warum wurde Joschi so rot, als Mose die Worte vorgelesen hat?
- Frage 2: Warum vergleicht Mose Gottes Worte mit einem Zaun um die Schafe?
- Frage 3: Welches von den zehn guten Worten findest du besonders wichtig?
Gebet
Lieber Gott,
danke für deine guten Worte.
Sie sind wie ein Zaun, der uns beschützt.
Hilf uns, gut miteinander zu leben.
Amen.
Ausmalbild
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